Yuppies im Bioladen
Es ist noch gar nicht so lange her, als es beinahe verpönt war einen Bioladen zu betreten und alternative Kost einzukaufen. Zeitgenossen, die sich mit unbehandelten Nahrungsmitteln versorgten, wurden spöttisch als "Öko" betitelt. Der "normale" Bürger hatte seine ganz eigenen makaberen Vorstellungen von "Ökos": Sandalen tragende Sojabohnen Esser, die sich ohne Seife waschen. "Öko" zu sein, war alles andere als cool.
Wer hätte da gedacht, dass sich das Blatt so schnell wenden kann. Wir schreiben das Jahr 2008. Biokost ist zum Megatrend der letzten Jahre avanciert. Zwischen "typischen" Bioladen Besuchern mischen sich Banker Yuppies und Teenager genauso wie die Hausfrau von nebenan. Dies kann man besonders gut in den modernen Bio Supermarktketten beobachten. Die Kundschaft unterscheidet sich eigentlich gar nicht mehr von herkömmlichen Lebensmittelläden. Die Bio Megastores haben auch nicht mehr viel gemeinsam mit den guten alten Reformhäuschen. Biedere Einrichtung und muffiger Geruch? - Absolute Fehlanzeige. Stattdessen findet man ein stylisches Ambiente, eine große Auswahl mit geschickt präsentierter Ware vor. Die Atmosphäre stimmt einfach - Bio kaufen ist in.
Was man allerdings vom Bio Supermarkt nicht erwarten sollte, sind besonders günstige Preise der begehrten Kost. Ökowaren sind leider nach wie vor um einiges teurer als unbehandelte Produkte und das wird sich auch nicht so schnell ändern. Erfreulich ist aber, dass sowohl die Bio Supermärkte als auch die herkömmlichen Lebensmittel Märkte zunehmend preiswerte Bio Eigenmarken entwickeln. Wahrscheinlich ist es auch nur noch eine Frage der Zeit bis Bio Discounter Märkte unser Land erobern.
Das ungespritztes Obst und Eier von glücklichen Hühnern so trendy wie nie zuvor sind verwundert angesichts diverser Lebensmittelskandale auch nicht weiter. Auch Konservierungsstoffe, Farbstoffe und künstliche Geschmacksverstärker sind ziemlich in Verruf geraten. Achten Sie mal beim nächsten Einkauf darauf, wie viele Konsumenten mittlerweile einen Blick auf die Zutatenliste der Verpackungen werfen. Lebensmittel Traditionsmarken haben das längst erkannt. Man findet kaum noch Marken ohne den Hinweis "ohne künstliche Zusatzstoffe". Und das ist auch gut so.
Wem Ökogemüse zu teuer ist, der pflanzt seine eigene Biokost im Garten. Selbst auf kleinen Balkonen finden sich zunehmend Mini Gemüse- und Kräutergärten. Auch hier hat sich das Bild der Hobbygärtner deutlich gewandelt. Zwar sind Rentner einer der stärksten Gruppen der Gartenarbeiter, aber auch immer mehr berufstätige aus allen sozialen Schichten entdecken den Spass am eigenen Nutzgarten. Frei nach dem Motto vom stressigen Bürotag zum entspannen in den Garten. Gartenarbeit als Stresskiller für Yuppies.
Die zukünftige Entwicklung in heimischen Gärten und Bioläden darf jedenfalls mit Spannung abgewartet werden. In den nächsten 10 Jahren wird sicherlich auf diesem Gebiet eine Menge passieren: Ackerflächen statt Cocktailparty auf der Penthouse Terrasse? Völliger Verzicht auf chemische Zutaten in allen Lebensmitteln? Wir werden sehen.
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